Bau der Ibergsiedlung

Iberg-Siedlung mit wechselvoller Geschichte
Was mit einer kleinen Ansiedlung begann, stellt heute ein gepflegtes Stadtbild dar. Das Kalkwerk Winterberg wurde 1938 in Zusammenhang mit dem Aufbau der Reichswerke in Salzgitter-Watenstedt errichtet. Der erste Spatenstich erfolgte am 23. Februar 1938. Zur Verhüttung der sauren, kieselsäurehaltigen Eisenerze des Salzgitter-Gebietes benötigten die Reichswerke Kalk.
Für jede Tonne Erz war eine Tonne Kalk notwendig. Es lag daher nahe, die reichen Kalk­stein­vor­kommen bei Bad Grund für diese Zwecke zu nutzen. Das Alter dieses Kalkstein- vorkommens ist auf über 3 Millionen Jahre festgelegt. Die Reichswerke richteten 1938 den Betrieb in Münchehof und am Winterberg ein. Im Rahmen des damaligen Abkommens mit Italien wurden Tiroler Fachleute, die aus den italienischen Marmorgebieten kamen, nach Bad Grund geholt.
Von den 600 Arbeitern aus Tirol leben heute nur noch einige und deren Nachfahren in Bad Grund und Umgebung.Die meisten sind inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Südtiroler Steinbrucharbeiter wohnten anfangs im “Römers Hotel” und in Baracken am Iberg.
Im April 1938 wurden für die Tiroler die Wald- und Grünflächen unterhalb des Iberges unterhalb der heutigen Harz-Hochstraße als “Hermann-Göring-Siedlung” in Planung genommen. Im Jahre 1938 entstand das Siedlungsvorhaben mit 48 Wohnhäusern und 96 Wohnungen sowie das Gemeinschaftshaus. Erst­mals fand man im Bad Grund­ner Ein­woh­ner­ver­zeich­nis die Fa­mi­lien­na­men Her­mann Eber­höfer, Alo­is Plat­zer, Her­mann Marth, Va­len­tin El­ler, Toni Tra­gust, Franz Sau­rer, Tra­foi­er, Nigg, Schwalt, Sach­sal­ber und Ku­pri­an. Heu­te ist die­se 1938 ent­stan­den­e Sied­lung als Iberg­sied­lung bekannt. Sie stellt sich als schmucke Siedlung dar. Sie trägt erheblich zu einem gepflegten Stadtbild bei.
Die Häuser sind inzwischen im Eigentum der einzelnen Familien käuflich übergegangen. Mit viel Fleiß haben sie diese Häuser modernisiert und tun viel für deren Unterhaltung. Die Siedlung steht in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz, so dass die heutigen Grundstückseigentümer erhebliche Einschränkungen und auch Mehrkosten bei der Modernisierung und Unterhaltung der Häuser hinzunehmen haben. Die Häuser stellen sich als Kleinod dar. Im Verein der Südtiroler sind einige Nachfahren noch aktiv tätig. So wird alljährlich das Törggelen-Fest in Bad Grund gefeiert. Außerdem wird der Kontakt zur Heimat Tirol gepflegt
Quelle: Seesener Beobachter vom 21.08.03

Am 2. Juli 1938 trafen die ersten 23 Tiroler hier ein, die bei am Winterberg beschäftigt werden sollten.

Die Ibergsiedlung heute:
Die Ibergsiedlung - vom Königsberg aus gesehen














."Der Winterberg und die Ibergsiedlung", ein Bericht von Firouz Vladi
Entstanden mit dem Kalksteinabbau
Der Winterberg bei Bad Grund und die Ibergsiedlung

Steinbruch Winterberg um 1970 mit einer der vielen und großen beim Abbau angeschnittenen Tropfsteinhöhlen.
Zum Kriegführen braucht man Eisen. Und wenn von Kriegswegen der Handel mit dem Ausland unterbrochen wird, muß das Eisen im eigenen Land gefunden werden. Bad Grund ist ja ein alter Standort des Eisensteinsbergbaus, gewonnen wurde das Eisen in kleinen, nesterweise auftretenden Lagerstätten im Kalkstock des Iberges. Doch der Abbau wurde schon 1886 wegen mangelnder Rentabilität eingestellt.
Hier aber, im Jahre 1938 geht es nur indirekt um Eisen. In Salzgitter wurde ein Zentrum deutscher Eisenindustrie aus dem Boden gestampft. Die dort bergmännisch geförderten Eisenerze waren aufgrund ihrer geologischen Entstehung, wie der Hüttenmann oder Stahlkocher es nennt, sauer, sie enthielten viel Kieselsäure und bedurften zum Schmelzen in der Hütte eines basischen Zuschlagstoffes, am besten reinen Kalk. Solch reiner Kalk mit Werten um 99 % CaCO³ und in räumlicher Nähe fand sich auf fiskalischem Gelände im mittel- bis ober-devonischen Kalksteinmassiv des Iberges und Winterberges bei Bad Grund. Der Iberg diente – wie auch heute noch - der Wasserversorgung und dem Bad Grundner Fremdenverkehr. Im benachbarten Winterberg wurde daher die obertägige Abbaustätte erschlossen; heute ist es der größte Steinbruch Niedersachsens. Betreiberin waren die neu gegründeten Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“, Salzgitter. Für die Rohstoffwirtschaft, Rüstungsindustrie sowie den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen sollten die Reichswerke in den folgenden Kriegsjahren noch erhebliche Bedeutung erlangen, in Deutschland und in fast allen von der Wehrmacht besetzten Teilen Europas.
Während heute die Belegschaft auf dem Winterberg durch technischen Fortschritt und Rationalisierung auf ein kleines Häuflein geschrumpft ist, wurden 1938 zunächst 300 Arbeiterstellen eingeplant. Aber wo sollten sie wohnen? Damals war es üblich, daß der Arbeiter seine Arbeitsstätte noch zu Fuß aufsuchte. Solches Gelände fand sich im April 1938 auf der Wiese unter dem Iberger Kaffeehaus. Es sollten bescheidene Fachwerkhäuser im bekannten Stile der Bergmannssiedlungen werden.
Die für den Steinbruchbetrieb dringend benötigten Fachkräfte wurden aus Südtirol angeworben. Viele sind auf Dauer geblieben und heute integrierter Bestandteil der Einwohnerschaft Bad Grunds.
Der Gemeinde Bad Grund gelang es in Anbetracht der Reichswichtigkeit des Vorhabens nicht, sich mit ihren Sorgen über den Standort und die mögliche Beeinträchtigung des Fremdenverkehrs durchzusetzen. Auch weiterhin wurden Bau und Betrieb der Siedlung durch Querelen wegen der Erschließungskosten gekennzeichnet.

48 Häuser zu zwei Wohnungen sollten entstehen. In Hanglage konzipiert, war der Keller ebenerdig und diente für Abstell- und Sanitärräume. Für die damals noch übliche Selbstversorgerwirtschaft mit Kleinvieh entstanden am Rande der Siedlung zwei Ziegenställe. Mit dem Bau wurde Anfang 1939 begonnen, nachdem die Grundstücke für 1 RM je m² von den Reichswerken Hermann Göring erworben wurden. Im Sommer 1940 war die Siedlung zu drei Viertel fertiggestellt. Während die Reichswerke auf die Errichtung eines Lebensmittelladens zur wohnungsnahen Versorgung drangen und mit Rücksicht auf den Einzelhandel die Gemeinde dies verhindern konnte, wurde dem Wunsche der Bergstadt nach Errichtung einer Schule für die zu erwartenden 150 Schüler seitens der Reichswerke wiederum nicht entsprochen.
Heute steht die Ibergsiedlung mit ihren massiven Sockelgeschossen und dem Fachwerkaufbau unter Denkmalschutz. Die Bergstadt, deren städtebauliches Antlitz sie prägt, wird die Siedlung und ihre Bewohner nicht missen wollen. Mit dem Kalksteinabbau hat die Siedlung heute nur noch begrenzt zu tun. Dieser wird, solange die Vorräte reichen, noch viele Jahre oder Jahrzehnte betrieben werden können. Vom ursprünglichen Verwendungszweck als Hüttenzuschlag hat sich die heutige vielgestaltige Produktpalette der Felswerke weit entfernt. Eines Tages müssen sich Bergstadt und Land Niedersachsen aber entscheiden: Trinkwasserversorgung, Umweltschutz, Fremdenverkehr und / oder Fortführung des Kalksteinabbaus. Sollten die ersten drei Belange zurückgestellt werden, dann reicht das Vorkommen an Iberg und Winterberg zusammen für mehr als 200 Jahre.
Firouz Vladi